24 Sep. Malerei und Fotografie – Anni Jutz und Georg Worecki
Zwei künstlerische Positionen, zwei unterschiedliche Medien und doch eine gemeinsame Faszination: die Auflösung des Gegenständlichen und die Suche nach neuen Formen der Wahrnehmung.
In der Ausstellung begegnen sich die Malerei der Bitburger Künstlerin Anni Jutz und die experimentelle Fotografie des in der Eifel lebenden Regisseurs und Fotografen Georg Worecki. Beide arbeiten auf ihre eigene Weise mit Farbe, Struktur, Bewegung und dem Zufall und schaffen Bildwelten, die sich einer eindeutigen Zuordnung entziehen.
Anni Jutz – Malerei zwischen Material und Experiment
Anni Jutz ist Kunstmalerin und lebt in Bitburg. Nach ihrer Ausbildung an der Europäischen Kunstakademie wurden ihre Arbeiten in zahlreichen Ausstellungen präsentiert. Mit eigenen Galerien in Neuerburg und später in Bitburg war sie über viele Jahre auch mit eigenen Ausstellungsräumen in der Region präsent.
Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht der offene, experimentelle Entstehungsprozess. Spontaneität und die Freude am Ausprobieren bestimmen ihre Arbeitsweise. Ihre Bilder bewegen sich überwiegend jenseits einer gegenständlichen Darstellung und entstehen aus dem Zusammenspiel unterschiedlicher Materialien, Farben und Strukturen.
Dabei beschränkt sich Jutz nicht auf klassische Malmittel. Neben Acrylfarben verwendet sie Papiercollagen und Leinengewebe, arbeitet mit Kaffeepulver und entwickelt eigene Farben aus Pigmenten und Sand. Aus diesem ungewöhnlichen Materialmix entstehen vielschichtige Oberflächen und individuelle Farbwelten, bei denen der Herstellungsprozess im fertigen Werk sichtbar und spürbar bleibt.
Ihre Arbeiten waren unter anderem in Trier, Bitburg, Rittersdorf, Waxweiler, Kanzem, Homburg, Neuerburg und Wadern sowie bei Ausstellungen in Bayern und Luxemburg zu sehen. Zu ihren jüngeren Präsentationen gehören Ausstellungen bei der Europäischen Rechtsakademie in Trier, im Burgrestaurant Rittersdorf, im Geomuseum Devonium in Waxweiler und im Rahmen von BitburgART.
Georg Worecki – Fotografie als Bewegung
Georg Worecki, geboren 1961 in Düsseldorf, ist Regisseur und Fotograf deutsch-polnisch-italienischer Abstammung und lebt heute in Daleiden in der Eifel.
Die Fotografie begleitet ihn seit seiner Kindheit. Sein Vater war als Filmproduzent im Rheinland tätig; bereits im Alter von zehn Jahren kam Worecki durch einen internationalen Malwettbewerb zu seiner ersten Kamera. Nach dem Abitur arbeitete er zunächst als Techniker am Rheinischen Landestheater Neuss. Später studierte er Germanistik sowie Kunst- und Baugeschichte in Tübingen und Aachen und absolvierte anschließend eine Regieausbildung.
Sein künstlerisches Schaffen umfasst neben Theater und Film vor allem die Fotografie. Seit 1999 arbeitet Worecki als freischaffender Fotograf. Neben Street- und Architekturfotografie widmet er sich neorealistischen und experimentellen Bildformen.
Für die in dieser Ausstellung gezeigten Arbeiten wird die Kamera selbst zum Werkzeug der Bildgestaltung. Durch gezielte Bewegungen während der Belichtung lösen sich Konturen auf, Farben gehen ineinander über und vertraute Motive verwandeln sich in abstrakte Kompositionen. Das Ergebnis liegt irgendwo zwischen Fotografie und Malerei – ein Bild entsteht nicht allein durch das, was vor der Kamera vorhanden ist, sondern ebenso durch die Bewegung während der Aufnahme.
Worecki lebte und arbeitete von 2012 bis 2017 in Luxemburg und ist anschließend in die Eifel gezogen. Seine fotografischen Arbeiten wurden international präsentiert und befinden sich in privaten und öffentlichen Sammlungen in Europa und den USA. 2018 erhielt er in San Francisco eine Auszeichnung beim Wettbewerb „Best Street Photo Shot on Film“.
Zwei Wege zur Abstraktion
So unterschiedlich die Ausgangspunkte von Anni Jutz und Georg Worecki sind, so spannend ist ihr Zusammentreffen: Hier wird mit Farbe, Material und Struktur gearbeitet, dort mit Licht, Bewegung und fotografischer Technik.
Die Ausstellung macht sichtbar, dass abstrakte Bildwelten auf ganz unterschiedlichen Wegen entstehen können. Während Jutz das Material selbst zum Ausgangspunkt ihrer Malerei macht, nutzt Worecki die Bewegung der Kamera, um fotografische Realität in etwas Neues zu verwandeln.
Gemeinsam ist beiden die Bereitschaft, gewohnte Sehweisen aufzubrechen und dem Zufall ebenso wie dem Experiment Raum zu geben.
Sylvia und Achim Herrmann
und Das Team der Burg Rittersdorf


